Hofgeschichten im September

“Denke daran, dass etwas, was du nicht bekommst, manchmal eine wunderbare Fügung des Schicksals sein kann.

Dalai Lama
Besuch im Silberbergwerk in Schwaz

Bei heißem Wetter machte sich die Turnerinnengruppe auf nach Österreich. Nach einer gelungenen Brotzeit auf halber Wegstrecke, gab es am Silberbergwerk schicke, silberfarbene Helme und Mäntel zum Anziehen. Anschließend fuhren wir mit der Bergwerksbahn 800 m in die Tiefe. Es war streckenweise stockdunkel und nur kleine Lichtlein auf dem Weg zeigten die enge Passage, durch die wir fuhren. Keine Hand durfte ausgestreckt werden, denn das Bähnle war ganz schön flott unterwegs – die Verletzungsgefahr demnach sehr groß. Eindrucksvolle Erzählungen und Bildbeiträge in den Tiefen des Berges zeugen heute noch vom Abbau der verschiedenen Erze und dem wertvollen Silber. Knochenharte und lebensfeindliche Arbeit war das zu der damaligen Zeit, das vielen Menschen das Leben kostete und nur wenige bereicherte. Fürsten aus der Fuggerei Augsburg hatten da großen Einfluß und noch größere Einnahmen. Es scheint sich immer zu wiederholen, dass es eben nur wenige sind, die sich an den Gütern der Erde bedienen und verdienen. Wer sich mit Geschichte befasst, kann leicht erkennen, dass wir es bis heute nicht geschafft haben, diese Unstände zu ändern…

Das noch größere Problem in unserer schnellen Zeit ist, dass die Menschlichkeit immer weniger Platz findet. Konkurrenz schläft nicht, heißt es nur, wenn es unter Berufskollegen darum geht, den Betrieb zu bereichern. Selbst bei Unfällen und schweren Schicksalsschlägen nehmen diese keine Rücksicht mehr, und besuchen die Familien gleich noch am nächsten Tag, um über Pachtübernahme und Grundstücke zu verhandeln. Andere schwärzen Berufskollegen an, um sich selber ins rechte Licht zu rücken. Beim Kampf um Grundbesitz, um Pachtflächen, um Futtergrundlagen scheint alles erlaubt zu sein.

Auch wir sind auf Pachtflächen angewiesen und hatten dabei immer mal großes Glück. Es gibt sie noch, die Grundbesitzer, denen die biologische Bewirtschaftung wichtig ist. Auch die zwischenmenschliche Beziehung spielt dabei eine wichtige Rolle. Die Wertschätzung für unsere Arbeit und unser Dank, für das Vertrauen sind dabei die größten Eckpfeiler. Dabei gibt es in der biologischen Bewirtschaftung eigentlich nur einen Gewinner: der Boden. Bis zu zehn Jahre dauert es, bis sich ein Ackerboden regeneriert hat und oft viele Jahre mehr, damit die Wiesen in ihrer Artenvielfalt zu blühen beginnen. Wenn wir also mal eine Fläche nicht pachten durften, ist es vielleicht die richtige Fügung für einen anderen Verpächter, der auf der Suche nach uns, der bunten Wiese und dem gesunden Ackerboden ist.