Zwei- bis drei Mal mäht mein Mann mit Hilfe eines Balkenmähers jährlich die Wiese gegenüber vom Haus. Sie ist der restliche, nicht eingezäunte Teil unserer Streuobstwiese, die eine eigene Geschichte hat.
Juli 2008 hatten wir uns entschieden, diesen Bereich in Angriff zu nehmen. In der Wiese befanden sich drei kleine Fischteiche, die zu verlanden drohten und wir entschieden uns, diese ganz aufzulösen und an der tiefsten Stelle, einen größeren, sauber angelegten Teich zu integrieren. Viele Baggerstunden, Kies, Vlies, Steine und Muskelkraft wurden gebraucht, um letztendlich einen tollen Teich, mit einer schönen Schilfzone und bepflanzter Randzone, entstehen zu lassen. Das Wasser, dass aus einer Quelle zuläuft, war glaskar und so sauber, dass wir zum baden und schwimmen in den Teich gingen.
2009 zerstörte ein Gewitter mit seinen Regenmengen dieses kleine Paradies in kürzester Zeit. Ein nahegelegner Maisacker geriet in Bewegung und die Humusmasse schwomm wie braune Schokolade den Berg herab und direkt in den neu angelegten Teich, der die tiefste Stelle auf diesem Weg war. Zerstörung in allen Teilen! Kein Grashalm, kein Bepflanzung, kein Stein war mehr zu sehen – nur braune Masse, die alles bedeckte.
Wir versuchten über mehrere Jahre immer wieder den Weiher zu säubern, doch der Schaden war nicht reparabel. Die Wasserpest, ein Unkraut unter Wasser hatte sich durch die eingetragenen Nährstoffe so ausgebreitet, dass alle Mühen umsonst blieben. Der Teich war zu einem Tümpel verwachsen.
2018 ließen wir erneut einen Bagger anfahren. Er sollte alles darin Befindliche herausarbeiten, damit wir es entsorgen konnten. Die Randfläche hatte ich in den vergangenen Jahren nachgepflanzt und jetzt setzten wir ein paar Seerosen und Fische ins Wasser und waren uns einig, dass dieser Bereich ab gleich der Natur zur Verfügung gestellt wird. Ringelnatter und Blindschleichen, Frösche, Kröten und Fische, Libellen, Fledermäuse, Insekten jeglicher Art und Vögel profitieren seither von dieser Wasserstelle.

Die angrenzende restliche Wiese wurde regelmäßig von mir in stundenlanger Arbeit mit dem Rasenmäher gemäht und gerne von den Pfadfinder-Kindern als Spielplatz genutzt, wenn sie ihr Quartier bei uns für ein paar Tage im Jahr bezogen hatten. Schließlich wurde eine Erweiterung vom Stall notwendig und wir konnten die Kinder nicht mehr aufnehmen und ihnen einen geschützten Schlafplatz bieten. Mit dieser Veränderung sollte sich auch das Mähen auf der Obstwiese einstellen, da ich keinen Sinn mehr darin fand, Benzin und Zeit zu verfahren, um eine glattrasierte Fläche aufweisen zu können. Den Großteil der Wiese haben wir gezäunt, damit darin eine Gruppe von höchstens drei Rindern das Gras abfressen kann. Der vordere Teil aber wird seitdem ebenfalls der Natur überlassen, mit Ausnahme der Mahd, die für die Artenvielfalt notwendig ist. Dennoch ist heuer die Hitze auch für naturbelassene Bereiche eine Herausforderung. Gießen ist bei den großen Anlagen nicht möglich und der Regenschauer zieht leider immer bei uns vorbei.
Bereits im Juli haben wir unsere Getreideernte sehr erfolgreich eingefahren. Trotz der Trockenheit brachte der Drusch von allen Getreidesorten, wie Dinkel, Hafer, Weizen und Triticale sehr positiv hohe Erträge. Kennt ihr den Geruch von frischem, gesunden Humus? Beim Grubbern unserer Stoppelfelder wird der jetzt freigesetzt und wer es noch genauer wissen will, nimmt eine Handvoll dieser Erde und wird feststellen, dass sie immer noch einen Rest an Feuchtigkeit gespeichert hat. Das entscheidende Glied in der Kette der Bodenbearbeitung ist im Biobetrieb der Stallmist, den die Felder in der Herbst- oder Frühjahrsdüngung bekommen. Er belebt das Bodenlebewesen mit allen nötigen Kleintieren, Pilzen und Sporen, die für die Zersetzung und damit zur Freisetzung wichtiger Nährstoffe, verantwortlich sind. Mist agiert auf Ackerboden wie ein Schwamm, der in der Lage ist, viel Wasser zu speichern, das er wiederum für seine Aufgabe als Bodenverbesserer braucht. Auch kleine Keislaufwirtschaft, sei es Permakultur, Mischkultur, Kompost und Mulch führen zur Verbesserung des Bodens und halten bei Extrem-Wetterlagen besser stand.

“Glück ist ein Schmetterling, der sich immer unserem Griff entzieht, wenn man ihn jagt, der sich aber auf uns niederlässt, wenn wir ganz still dasitzen.
Nathaniel Howthorne