Hofgeschichten im Oktober

Ich möchte euch mit diesem Beitrag einen tolles Engagement meines Schwiegersohnes Lorenz vorstellen. Er ist leidenschaftlicher Jäger und Naturliebhaber und setzt sich bei uns für den Erhalt des Waldes ein, indem er sehr fleißig auf den Hochsitz klettert.

Aber nicht nur die Bäume liegen ihm am Herzen, auch die Biodiversität, die im Wald und um den Wald herum eigentlich selbstverständlich sein sollte. Viele Vogelarten, sogenannte Bodenbrüter, wie das Rebhuhn, der Fasan, der Kiebitz und z. B. das Braunkehlchen haben in den Feldfluren kaum noch Chancen, zu überleben bzw. ihre Jungen großzuziehen. Ihnen fehlen schlichtweg die Feldraine und -hecken oder die Bodenbearbeitung in der Landwirtschaft ist zu häufig oder die Räuber sind zu viele, wie z. B. die Krähen und Elstern.

Lorenz hat also heuer im Frühjahr den Versuch gestartet, Rebhuhn-Eier im Brutkasten auszubrüten. Mit Erfolg konnten beim ersten Mal 12 Kücken großgezogen werden. Die zweite Brut ergab dann schon 26 Kücken. Mittlerweile leben diese fast erwachsenen Rebhühner in einer Voilere bei uns auf dem Hof. Die Samen verschiedenster Wildkräuter, Getreidekörner und Salatköpfe zählen zu ihrer Lieblingsmahlzeit. Stets frisches Wasser muss auch zur Verfügung stehen – in der freien Wildbahn in so starken Hitzezeiten wie wir hatten, ein Problem. Auch nach wochenlangem “Füttern” von uns, sind sie menschenscheu geblieben, was für eine erfolgreiche Auswilderung von großer Bedeutung ist. Bald werden sie freigelassen, mit der Hoffnung, dass viele von ihnen überleben und sich selbst vermehren.

Rebhühner und -hähne in der Voilere

Aubrac Kuh unmittelbar nach der Kalbung ihres Sohnes

In diesem heißen und trockenem Sommer, bei dem die Luft flimmerte und die Sonne gnadenlos von morgens bis abends auf uns herunterbrannte, ging das Hofleben unbeirrt weiter. 40 Kalbinnen bekamen kurz aufeinander ihre Kälbchen. Wir machten einen stündlichen Kontrollgang zu ihnen in den Stall, in dem wir sie wegen der Hitze reingeholt hatten. Auch die Nächte wurden von meinem Mann durchwacht, um immer schnell zur Hilfe zu sein. Das Klima im neuen Stall war schön kühl, Luft- und Lichtdurchflutet. Ganz anders erging es da den Kolleginnen auf den braungebrannten Weiden. Trotz Schattenplätze, genügend Wasser und zusätzlichen Futterrationen war es eine große Herausforderung für uns und die Tiere.

Widderchen bei der Paarung

Selbst die Blumenwiese war nach dem ersten Schnitt mit dieser langanhaltenden Trockenheit von ausgebrannten Stellen übersät. Doch gleich nach den ersten leichten Regentagen war der Aufwuchs schnell wieder in Gang gekommen und ich konnte unzählige Widderchen entdecken. Noch mehr aber waren die kleinen Bläulinge auf dem wilden Oregano unterwegs. Für sie war es anscheinend förderlich, weil es so lange nicht geregnet hatte. Diese Bläulinge vermehren sich mit Hilfe der Ameisen indem sie ihre Brut von ihnen ins Nest tragen lassen. Dort werden sie gefüttert, weil sie den Ameisen vorgaukeln, ein Larve ihresgleichen zu sein. Wenn sie geschlüpft sind, heißt es ganz schnell den Bau zu verlassen, bevor die “Zieheltern” merken, dass sich ein Fremdling eingenistet hat. Auch die Wollbiene gehört zu den “Kukuckskindern”. Sie lässt im Flug ihre Eier in fremde Wildbienen-Nester plumpsen und entledigt sich sozusagen der elterlichen Pflichten.

Jetzt im Oktober freue ich mich ganz besonders auf die bunten Blätter, die sowohl noch an den Bäumen hängen, aber auch die Wege darunter weich auspolstern und bei jedem Schritt einige davon hochwirbeln. An sonnigen Herbsttagen lässt es sich wunderbar wandern und spazierengehen. Unsere Hündin Amy kann es kaum erwarten, wenn ich die Leine hervorhole, um mit ihr loszuziehen. Es gibt viel zu entdecken, und da meine ich nicht nur die Schwammerl, die wir oft ganz unverhofft antreffen…

Wer Bäume setzt, obwohl er weiß, dasss er nie in ihrem Schatten sitzen wird, hat zumindest angefangen, den Sinn des Lebens zu begreifen.

Unbekannt